Bayerns kleine Brauereien in Not! Von Politik im Stich gelassen: Gaststätten zu, keine Hilfen

München (dpa/lby) – Die Schließung der Gastwirtschaften und das Verbot von Volksfesten hat vor allem die kleinen bayerischen Brauer hart getroffen.

Sie «büßten 50, 60, 70 Prozent ihres Absatzes ein», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Lothar Ebbertz, am Donnerstag in München. Brauereien mit eigener Gastwirtschaft bekämen als Mischbetriebe nicht einmal November- und Dezemberhilfen: Hier habe die schwarz-rote Bundesregierung leere Versprechen gemacht, kritisierte Verbandspräsident Georg Schneider.

Der Bierausstoß der bayerischen Brauereien brach 2020 zwar nur um eine Million Hektoliter oder vier Prozent ein auf 22,8 Millionen Hektoliter. Im Handel wuchs der Verkauf sogar. Aber bei Supermärkten und Discountern, wo Flaschenbier in großen Mengen zu niedrigen Preisen «verramscht» werde, seien kleine Brauereien weniger präsent, sagte Ebbertz. Jedes dritte Bier in Bayern werde bisher in der Gastronomie und auf Volksfesten verkauft, das sei die Domäne der kleinen Brauereien, und deshalb seien jetzt viele «vor Corona pumperlg’sunde Betriebe in Existenznot», erklärte Schneider.

Die vielfältige bayerische Bierkultur – «schauen Sie nach Franken» – sei bedroht, Gastbetriebe dürften in die Insolvenz rutschen, kleine Brauereien könnten in den Strudel mitgerissen werden. Das sollten Politiker, die sich gern mit Bierzeltreden schmücken, bedenken. Der Einbruch sei gigantisch, und das neue Jahr habe nicht besser begonnen. Nach drei Monaten Lockdown gebe die Politik immer noch keine verlässliche Perspektive, kritisierte Schneider. Die Starkbiersaison werde auf dem Sofa eröffnet.

Den Einbruch abgefedert habe die Hinwendung der Konsumenten zum heimischen Bier. Den größten Zuwachs im Handel verbuchten die Abholmärkte, und da hätten die kleinen Brauer eher Zugang als zu den großen Handelsketten. Auf der anderen Seite schrumpfte die Nachfrage in Italien und anderen EU-Ländern. Fast ein Viertel des bayerischen Biers geht normalerweise in den Export, jetzt sank die Exportquote auf 22 Prozent.

Christian Klippel

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