Keine Produkte mehr nur für konventionelle Antriebe ZF will nur noch Technologie für E-Mobilität entwickeln

Der Technologiekonzern ZF legt sich fest. Wolf-Henning Scheider, der Vorsitzende des Vorstands erklärte am Donnerstag bei der Bilanzvorlage des Unternehmens bei einer virtuellen Pressekonferenz, ZF werde keine Produkte mehr entwickeln, „die nur für konventionelle Antriebe geeignet sind“. Das Unternehmen selbst will bis 2040 klimaneutral arbeiten und auch seine Lieferanten dabei einbinden.

Der Konzernumsatz der ZF Friedrichhafen AG lag im Jahr 2020 mit 32,6 Milliarden Euro und damit um 11 Prozent unter dem Vorjahreswert von 36,5 Mrd. Euro. Das bereinigte EBIT betrug 1,0 (2019: 1,5) Mrd. Euro; die bereinigte EBIT-Marge lag bei 3,2 (2019: 4,1) Prozent. Das Ergebnis nach Steuern belief sich auf minus 741 Millionen Euro. „2020 war ein ambivalentes Jahr“, sagte Schneider und verwies auf die Fortschritte beim Umbau des Unternehmens wie auf Fortschritte in den Zukunftstechnologien.

Die zum Jahresbeginn gegründete Division Electrified Powertrain Technology soll die konventionelle sowie die Hybrid- und rein elektrischen Antriebstechnologien für Pkw bündeln. Kern des Produktprogramms sind Wechselrichter (Inverter). Bis Ende 2020 hat ZF Aufträge für elektrische Antriebskomponenten mit einem Umsatzvolumen von 14 Milliarden Euro für die nächsten Jahre gewonnen. Mit einer neuen Leistungselektronik will ZF in erster Linie Premium-Fahrzeuge versorgen. Mit ihren 800 Volt ermöglicht sie besonders kurze Ladezeiten.

Das am 29. Mai 2020 übernommene Nutzfahrzeug-Technologieunternehmen Wabco, dessen Zahlen für den Zeitraum von sieben Monaten im Konzernabschluss enthalten sind, soll bis zum Ende dieses Jahres mit der bestehenden ZF-Division Nutzfahrzeugtechnik vereinigt werden. Schneider: „Wir haben erste gemeinsame Projekte entwickelt und in Kundenaufträge umgesetzt.“

Erstmals bietet ZF auch Softwareprodukte an, die Kunden unabhängig von der Hardware erwerben können. Stark gefragt sind neben Software auch Hardware-Komponenten wie der modulare Hochleistungscomputer ZF ProAI, der in den Autos der nächsten Generation als leistungsstarker Zentralrechner viele kleine Steuergeräte ablösen wird.

Für die Division Industrietechnik, die 2020 erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro erzielte, kündigte Schneider ein besonders ehrgeiziges Projekt an. Gemeinsam mit dem Windkraft-Anlagenhersteller Vestas wird eine 15 Megawatt-Anlage für Offshore-Einsatz entwickelt. Die könnte die Versorgung für 20.000 Haushalte liefern und pro Jahr mehr als 38.000 Tonnen CO2 einsparen.

Mit 32,6 (2019: 36,5) Mrd. Euro lag der Umsatz des ZF-Konzerns 2020 um 11 Prozent unter dem des Vorjahres. Das bereinigte EBIT lag bei 1.047 (2019: 1.503) Millionen Euro; die bereinigte EBIT-Marge ging auf 3,2 (2019: 4,1) Prozent zurück. Der um M&A-Aktivitäten bereinigte Free Cashflow lag bei 994 Millionen Euro (2019: 803 Millionen Euro). Das Ergebnis nach Steuern von minus 741 Millionen Euro ist wesentlich bedingt durch Rückstellungen für Restrukturierungen sowie erhebliche Vorleistungen für Zukunftsaufgaben, an denen ZF trotz der strikten Kostendisziplin festgehalten hat.

Festgehalten hat ZF auch an seinen Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten: Die F&E-Quote stieg im Vorjahr gegenüber 2019 von 7,3 auf 7,7 Prozent, was Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von 2,5 (2019: 2,7) Mrd. Euro entspricht. Die Investitionen in Sachanlagen betrugen 1,4 (2019: 1,9) Mrd. Euro. Damit lag die Investitionsquote bei 4,4 (2019: 5,2) Prozent.

Das Unternehmen richtet seine Kapazitäten auf das niedrigere Produktionsniveau der weltweiten Fahrzeughersteller aus. So haben beispielsweise in Deutschland, wo bis Ende 2022 eine Beschäftigungs- und Standortsicherung gilt, nahezu 2000 Mitarbeiter Abfindungs- und Altersteilzeitangebote angenommen. Insgesamt hat ZF die Zahl der Stellen im Vorjahr weltweit um 6450 reduziert. In den Bereichen Elektromobilität, autonomes Fahren und Softwareentwicklung wurden Stellen geschaffen. Zum Stichtag 31. Dezember 2020 beschäftigte ZF weltweit insgesamt 153.522 Mitarbeiter (2019: 147.797). Der Zuwachs resultiert aus den Ende Mai hinzugekommenen rund 12.000 Wabco-Mitarbeitern.

ZF erwartet für dieses Jahr einen Umsatz zwischen 37 und 39 Mrd. Euro, eine bereinigte EBIT-Marge von 4,5 bis 5,5 Prozent und einen bereinigten Free Cashflow zwischen 0,8 und 1,2 Mrd. Euro. (ampnet/Sm)

SAZ-Redakteur

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