Kinderwagen aus Stein als ehrendes Andenken Theilheim setzt ein Mahnmal für seine ehemaligen jüdischen Mitbürger

Theilheim (red).  Ein Kinderwagen aus Stein erinnert nun in Theilheim an die schrecklichen Ereignisse vor 80 Jahren, als am 23. September 1942 die letzten Juden aus Theilheim deportiert wurden. Dieses Denkmal soll nun als sichtbares Mahnmal gegen das Vergessen des Judentums in Theilheim dienen.

Alle anwesenden Ehrengäste, insbesondere Staatsminister a. D. Dr. Ludwig Spaenle MdL, der eigens aus München angereist war, begrüßten diese Maßnahme. Ein Kinderwagen wurde als Zeichen des  Gedenkens gewählt, da auf einem Bild dieser Deportation eine jüdische Mitbürgerin, die mit ihrer kleinen Tochter Hanna auf den Weitertransport wartete, zu sehen ist. Eine Kopie dieses Kinderwagens findet sich am Bahnhof in Würzburg. Die Intention dieses Motives ist auch darauf aufmerksam zu machen, dass kleine Säuglinge und Kinder auf das brutalste verfolgt und letztlich auch ermordet wurden. 

Konrad Roth und Bürgermeister Christian Zeißner haben den Kinderwagen als Mahnmal vorgeschlagen und der Gemeinderat stimmte geschlossen zu. Als Standort für den Kinderwagen wurde der Platz neben dem Kriegerdenkmal ausgewählt. Dieses Denkmal wurde von den Christen und den Juden gemeinsam errichtet und erinnert an die Kriegsteilnehmer aus dem Krieg von 1870.

Konrad Roth informierte über das Leben der Juden in Theilheim. Vieles über die damalige jüdische Bevölkerung ist im Staatsarchiv in Würzburg nachzulesen. Die erste Erwähnung von Juden in Theilheim stammt aus dem Jahr 1490. Zu dieser Zeit wohnten 240 Christen und 215 Juden als Nachbarn friedlich nebeneinander im Ort. 1815 hatte sich die Situation für die Juden verbessert: Sie durften von da an Ackerland kaufen und einen Beruf ausüben. Viele Juden wanderten damals nach Amerika aus. 1939 registrierte die Polizei noch 47 jüdische Einwohner im Ort. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann das Ende der jüdischen Gemeinde in Theilheim. 

SA-Leute drangen in die jüdischen Wohnungen ein, plünderten sie und zerschlugen viele Möbel. Am 22. April 1942 wurden 31 jüdische Mitbürger nach Würzburg gebracht und dann mit weiteren 852 Juden mit dem Zug ins Konzentrationslager transportiert. Unter ihnen war Rosa Klein aus Theilheim mit ihrer 15 Monate alten Tochter. Am 23. September 1942 wurden die letzten neun Theilheimer Juden nach Würzburg und dann im Sammeltransport mit dem Zug in den Raum Lublin bzw. Theresienstadt gebracht. Da nach dem Krieg kein Lebenszeichen von den Deportierten nach Theilheim gelangt ist, muss man annehmen, dass alle ums Leben kamen.

So endete auf schreckliche Weise die fast 500 Jahre lange Geschichte der Juden in Theilheim.

Redaktion SAZ

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert