Mythen rund um den Kinderwunsch Stimmen diese Behauptungen – oder nicht? Dr. med. Heidi Gößlinghoff klärt auf

Die Entstehung und Entwicklung eines neuen Lebens zählt zu den natürlichsten Sachen der Welt – und ist gleichzeitig doch ein kleines Wunder. Vielleicht ranken sich deshalb so viele Mythen und Geschichten rund um die Themen Kinderwunsch und Schwangerschaft. „Viele Frauen, die sich ein Kind wünschen, und werdende Mütter können sich deshalb häufig vor gut gemeinten Ratschlägen, Sprüchen und Weisheiten à la ‚Das erste Kind kommt meist zu spät‘ oder ‚Schwangere müssen für zwei essen‘ kaum retten“, weiß Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin und Kinderwunschexpertin, und ergänzt: „Manche dieser Mythen halten sich hartnäckig, obwohl sie längst widerlegt sind.“ Die Frauenärztin unterzieht sechs dieser Mythen einem Faktencheck:

  1. „Nach dem Absetzen der Pille dauert es lange, bis Frauen schwanger werden.“

Über diese Aussage müssen sich Frauen keine Sorgen machen. Sie brauchen nicht vorsorglich die Pille abzusetzen und damit eine Schwangerschaft zu einem Zeitpunkt riskieren, der dafür in der individuellen Lebensplanung gar nicht vorgesehen war. Nach dem Absetzen der Pille werden Frauen ebenso schwanger wie Frauen, die dieses Verhütungsmittel nicht verwendet haben.

  1. „Ohne Orgasmus werden Frauen nicht schwanger.“

Wünschen sich Frauen beziehungsweise Paare ein Baby, führt das nicht selten zu Stress in der Beziehung. Die Folge: Geschlechtsverkehr auf Kommando – und für das Wunschkind unbedingt mit Orgasmus? Eine Zeit lang wurde angenommen, dass die Kontraktionen der Gebärmutter beim Orgasmus die Spermien auf ihrem Weg in den Eileiter unterstützen. Das führte zu der Vermutung, dass mit einem Orgasmus eine Schwangerschaft leichter eintreten könnte. Zwar gelangen Spermien durch die ausgelösten Kontraktionen wirklich schneller zum Eileiter, allerdings führt das nicht zu einer höheren Schwangerschaftsrate. Sex mit oder ohne weiblichen Orgasmus – die Chancen sind die gleichen.

  1. „Die Fruchtbarkeit der Männer nimmt auch im Alter nicht ab.“

Es gibt Männer, die nach ihrem 60. oder 70. Geburtstag noch Kinder zeugen. Doch auch bei Männern sinkt die Zeugungsfähigkeit im Alter. Ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Qualität der Spermien ab, wodurch für die Partnerin das Risiko einer Fehlgeburt steigt. Denn die Wahrscheinlichkeit für Gendefekte beim Embryo ist dann deutlich erhöht. Allerdings läuft dieser Prozess – im Gegensatz zu den Wechseljahren der Frauen – eher schleichend ab.

  1. „Für die Fruchtbarkeit macht es keinen Unterschied, ob jemand viel oder wenig Kaffee trinkt.“

Tatsächlich ist es für die Fruchtbarkeit nicht unwichtig, wie viele Tassen Kaffee Frauen trinken. Ein bis zwei Tassen am Tag gehören zur unbedenklichen Menge. Alles, was darüber hinausgeht, verringert die Schwangerschaftsrate jedoch um 50 Prozent. Auch die Fehlgeburtsrate steigt bei einem erhöhten Kaffeekonsum.

  1. „Das zukünftige Geschlecht des Babys lässt sich beeinflussen.“

Egal, welchen Zeitpunkt und welche Stellung Paare wählen oder welche Umgebungstemperatur herrscht: Die Chance auf Junge oder Mädchen bleibt bei 50:50. Das Geschlecht lässt sich nicht beeinflussen. Auch sind Frauen nicht für das Geschlecht des Nachwuchses verantwortlich. Vielmehr kommt es auf die Männer an, denn sie schicken sowohl Spermien mit X- als auch solche mit Y-Chromosom auf die Reise – Frauen besitzen nur X-Chromosomen. Trifft ein Spermium mit einem X-Chromosom auf die Eizelle und befruchtet sie, wird es ein Mädchen. Trifft hingegen ein Spermium mit Y-Chromosom auf die Eizelle, wird es ein Junge.

  1. „Manche Frauen spüren es sofort, wenn sie schwanger sind.“

So manch eine Frau glaubt direkt nach dem Geschlechtsverkehr die beginnende Schwangerschaft zu spüren. Medizinisch betrachtet ist dies jedoch unmöglich. Es dauert schließlich ein bis drei Stunden, bis eine Samenzelle ihren Weg bis zur Eizelle gefunden hat. Zudem benötigt die befruchtete Eizelle fünf weitere Tage, bis sie in der Gebärmutter angelangt ist. Ehe sie sich dort nicht an der Gebärmutterwand festgesetzt hat – was wiederum mehrere Tage dauert –, sendet der Körper keine sicht- und spürbaren Schwangerschaftsanzeichen.

Neben diesen sechs Mythen gibt es noch viele weitere rund um die Themen Kinderwunsch und Schwangerschaft – zum Glück sind die meisten nicht wahr.

Weitere Informationen unter www.leichter-schwanger-werden.de

 

SAZ-Redakteur

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