Oberösterreichische Skaterbahnen im Test Rudi Steinbach-Vollert begab sich mit seiner Familie ins Nachbarland zur Inspektion ausgesuchter Pump-Tracks

Vöcklabruck (red). Nachdem Skaten erstmals in den 1970er Jahren aufkam und vor allem in den USA eine große Fangemeinde gewinnen konnte, ebbte der Boom zunächst ab. In den vergangenen zehn Jahren ist aber eine neue Skater-Generation entstanden, die immer mehr Fans findet. Bei den Olympischen Sommerspielen 2021 in Tokio ist Skaten sogar erstmals olympisch.

Ein Mekka der Skater ist in Österreich. Hier sind quasi in jedem Ort Skaterbahnen entstanden, um Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten für ihren Lieblingssport zu geben. Dabei sind es in Österreich nicht nur die ganz Jungen, sondern oft auch gestandene Männer, die bei einem Probebesuch von Rudi Steinbach-Vollert aus Hesselbach gesichtet wurden. Auch jüngere Damen waren mit viel Eifer dabei und gegenseitig half man sich, die Techniken zu verbessern. So konnte auch der neunjährge-Skatebahn-Tester seine Fähigkeiten ausbauen. Die 180-Grad-Wendung auf der Half-Pipe hatte er schon von seinen unzähligen Übungsstunden auf dem neuen Parcours der Carus-Allee in der ehemaligen Ledward-Kaserne in Schweinfurt mitgebracht. Nun galt es den sogenannten „Ollie“ zu üben. Auf allen Skaterbahnen in Östereich fanden sich gute Ratgeber, um diesen Grundsprung für alle weiteren Tricks einzuüben. Dieser Sprung, bei dem das Board wie von Geisterhand an den Füßen haften bleibt, hat seinen Namen von seinem Erfinder, den sie alle nur „Ollie“ gerufen haben und der ihn schon 1976 bei US-amerikanischen Meisterschaften einsetzte. Alan Gelfand, wie er mit richtigen Namen heißt, war damals erst 13 Jahre alt.

Rudi hat vor allem gut gefallen, dass jede Altersgruppe in Österreich auf die Skaterbahnen geht und auch viele Mädchen dabei waren. Dabei muss man zunächst einmal unterscheiden, zwischen Skater-Bahnen und sogenannten Pump-Tracks. Während die Hindernisse auf Skaterbahnen auf eben geteerten Flächen als Kulissenbauten aufgestellt werden, sind Pump Tracks auf Hügeln geteerte Fahrbahnen, die vorzugsweise auch von Mountain-Bikes und BMX-Rädern genutzt werden.

Zum Test hat es Rudi nach Oberösterreich verschlagen, wo er auf den Weg dorthin auch in Straubing vorbei sah, um die dortigen Bahn zu inspizieren. So konnte der kleine Hesselbacher insgesamt acht Bahnen im Protokoll festhalten.

Pump-Tracks wurden neben Straubing auch in Salzburg und Linz unter die Lupe genommen. Der Anlage in Straubing bescheinigte Rudi eine ausgezeichnete Fahrbahn, auf der das Board gut rollt. Sie wurde von der Schneestern GmbH in Durach gebaut. Weil das Areal zudem von hohen Bäumen umgeben ist, liegt es auch bei hoher Sonneneinstrahlung im Schatten. Die Anlage ist zudem so konzipiert, dass sich jeder Teilnehmer eigene Strecken dergestalt aussuchen kann, dass man sich nicht so leicht in die Quere kommt.

Den Salzburger Pump-Track hingegen benutzen die Skater und Mountin-Biker hingegen bevorzugt als Rundkurs. Vor allem die schnelleren Radfahrer kommen den Skatern dabei manches mal in die Quere, doch es wird im allgemeinen viel Rücksicht geübt, sodass dies keinen echten Minuspunkt darstellt. Allerdings hat die schweizer Firma Velosolutions hier gezeigt, dass sie nicht umsonst zu den Weltmarktführern im Streckenbau zählt, denn die Hügel und Steigungsgrade sind so raffiniert gewählt, dass der Skater mit einer geringen Kraftanstrengung über die Bahn gleiten kann. Rote Streifen an den oberen Kanten sorgen optisch dafür, dass der Skater nicht zu schnell in die Kurven fährt.

Den dritten Pump-Track testete Rudi in Linz. Dort hat die Firma Schachermeyer auf ihrem Firmengelände einen modernen Pumptrack mit Flutlichtanlage für die Öffentlichkeit bauen lassen. Rudi war begeistert von der glatten Fahrbahn, die dennoch genügend Grip hatte, um das Board manövrierfähig zu halten. Innerhalb eines  Rundkurses  sind verschiedene Fahrbahnen integriert, die eine individuelle Routenführung für jeden Skater zulassen. So ist auch hier der Umstand besser gegeben, um sich aus dem Weg zu gehen.

Bei den „richtigen“ Skaterparks hat Rudi der in Vöcklabruck am besten gefallen. Die Kreisstadt an der Vöckla wollte sicher ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und hat im Stadtpark, gleich neben dem Schwimmbadparkplatz, eine großzügige Fläche mit Halfpipes, Steigungen und Kisten zum Grinden und Aufspringen installiert. „Bewacht“ wurde die Anlage von einem in die Obdachlosigkeit geratenen ehemaligen Skater, der – sicher nicht ganz der gesellschaftlichen Norm entsprechend, aber doch sehr nett und fachkundig das anwesende Publikum unterhielt. Die Einheimischen – so hatte man den Eindruck – begegnen ihm durchaus mit einem gewissen Respekt. Rudi bescheinigte den Rampen ein gutes Material und dass die Anlage offenkundlich stets instand gehalten wird.

Auch in Seewalchen am Attersee fand Rudi eine tadellose Bahn vor, wenngleich hier eine echte Halfpipe gefehlt hat. Zum Üben stand aber immerhin eine Hälfte bereit und die andere – getrennt durch ein Überfahrtshindernis – war eine gerade 45 Grad-Steigung.

In St. Georgen gab es nur eine kommerzielle Anlage eines Geschäftsanbieters, der acht Euro für ein Tagesticket wollte. Das rentiert sich nach Rudis Meinung nicht, da nach einer Stunde intensives Skaten ohnehin eine Ruhepause notwendig ist, bzw. sogar des Tagesbedarf gedeckt ist. Diese Anlage wurde nur von außen inspiziert, hatte aber auch alles was das Skaterherz begehrt.

Eher untauglich waren zwei weitere Anlagen. Direkt in Attersee war der Bodenbelag viel zu rauh und holprig. Und in Vöcklamarkt standen nur zwei kleine Hindernisse, zu zudem verwahrlost waren und eine dringenden Instandsetzung benötigen.

Als Ergebnis seines zehntägigen Skaterurlaubs fasst Rudi zusammen, dass er seine Fähigkeiten wesentlich verbessern konnte. Die unglaubliche Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Oberösterreicher hat ihn zusätzlich beeindruckt und die dabei erhaltenen Tipps und Tricks hatten einen sehr guten Lerneffekt.

Nun will er wieder auf seiner „Heimbahn“ in Schweinfurt üben und trainieren. Nach den Erfahrungen in Österreich hält er diese für etwas zu klein angelegt. Im Zuge der Neugestaltung der Kasernenfläche wäre nach seiner Meinung sicher auch eine großzügigere Fläche möglich gewesen. Dann hätte Schweinfurt einen wirklichen Pump-Track mit internationalem Standard. Immerhin ist der Skate Park unter der Brücke am Paul-Rummert-Ring sehr gut ausgestattet. Da muss sich Schweinfurt wirklich nicht verstecken.

SAZ-Redakteur

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