Öffnung der Reitbetriebe und Reitschulen ist überfällig! Daniela Haupt von der Grettschter Ranch bittet um Unterstützung

Daniela Haupt, Besitzerin der Grettschter Ranch in Grettstadt, fordert, den Reitbetrieben und Reitschulen zu helfen und diese so schnell wie möglich zu öffnen.

Nun befinden wir uns seit Anfang Dezember im 2. Lockdown und ein Ende ist für uns nicht in Sicht. Gerade im Winter sind Pferde kostenintensiv und wir hatten im letzten Jahr – bedingt durch den 1. Lockdown und weiteren 4 Monaten mit Einschränkungen – keine Möglichkeit gehabt, ein finanzielles Polster anzulegen.

In den Medien liest und hört man von der Gastro, den Hotels, den Fitnessstudios, Nagelstudios, Kosmetikstudios und Friseurstudios….kaum einer redet über uns. Wir können unsere Pferde nicht monatelang in die Garage stellen oder in den Homeoffice / die Kurzarbeit schicken, unsere Betriebe schließen und alleine lassen wie ein Geschäft. Pferde benötigen tägliche Pflege, das beginnt mit mindestens zweimal füttern – im Winter füttern wir dreimal täglich, putzen und bewegen einmal täglich.

Die Pferde sind ja keine Freizeitpferde. Sie sind Schul- und Therapiepferde (die ich selbst ausbilde für meine Arbeit) und das tägliche Arbeiten gewöhnt. Sie brauchen Muskulatur, um ungeübte Reiter auszugleichen. Das geht nur mit Training. Auch für die Psyche eines Pferdes ist die tägliche Arbeit wichtig. Ich suche meine extra so aus. Sie sind sehr menschenbezogen, lieben Kinder und lieben die Arbeit mit den Menschen. Ein Herumstehen und Langweilen sind für sie nicht gut. Sie wollen bespaßt werden, mit dem Menschen zusammen sein. Meine Reit- und Pflegebeteiligungen sowie meine Einstellerin helfen mir hier dabei. Aus tierschutzrelevanten Gründen bin ich dazu sogar verpflichtet. Für Laien ist es nicht nachzuvollziehen, wie viel Arbeit hier drinsteckt. Ich habe momentan 4 bis 5 Stunden täglich auf meiner Ranch zu tun….unentgeltlich natürlich!

Pferde kennen kein Wochenende, keinen Feiertag. Ich will mich nicht beschweren…im Gegenteil! Ich darf einen der tollsten Berufe die es gibt ausüben. Ich darf mit Pferden und Kindern arbeiten…mit besonderen Pferden und besonderen Kindern. Ich bin unter anderem Reitpädagogin und Reittherapeutin, arbeite also mit Kindern die ein Handicap haben, eine geistige oder körperliche Behinderung, verhaltensauffällig sind usw…aber auch mit „ganz normalen“ Kindern, die einfach Spaß am Umgang mit dem Pferd haben. Meistens läuft dies im Einzel- oder Zweierunterricht ab, große Gruppen – wie es in Reitschulen üblich ist – gibt es bei mir nicht. Normalerweise arbeiten wir zu dritt auf meiner Ranch….normalerweise….gerade ist nichts normal! Der Staat schreit laut…WIR HELFEN EUCH KEINE SORGE AUCH FINANZIELL!!! Nur leider sieht die Realität anders aus.

Viele Reitbetriebe stehen mittlerweile vor dem Ruin! Denn Hilfen zu beantragen ist quasi unmöglich, wenn man nicht über eine gewisse Menge an Kapital verfügt….ja, genau! Ich muss erst einen vierstelligen Betrag investieren um den Antrag überhaupt ausfüllen lassen zu können. Das geht diesmal nur über einen Steuerberater und ist für ihn sehr zeitaufwändig. Dann ist da aber noch nichts bewilligt oder gar schon irgendein Betrag auf meinem Konto. Im Frühjahr war es etwas einfacher, ok, wären nicht so viele Idioten (sorry, aber ich meine es auch so) auf die Idee gekommen sich zu bereichern. Ausbaden dürfen das jetzt wir anständigen Steuerzahler! Meine Hilfe im Frühjahr für die 3 Monate, in denen ich schließen musste, belief sich auf 2000.- Euro brutto. Denn dieser Betrag muss noch 2020 versteuert werden. Ich habe über Facebook Herrn Söder und Herrn Eiwanger angeschrieben…..Reaktion? Keine! Es gibt einfach kein Interesse an uns….außer von den Kindern und Eltern die uns brauchen….denn mit uns verdient man keine Millionen oder kann kein Millionenpublikum bespaßen.

Drum dürfen Promis Fußball spielen oder tanzen und wir eben nicht reiten. Es wäre schade, wenn es nach dieser Zeit kaum noch Möglichkeiten geben wird, Kindern das Erleben mit dem Pferd und auch anderen Tieren (wir haben noch Kamerunschafe) zu ermöglichen. Tiere geben einem so viel und wollen dafür keine Gegenleistung – ok, stimmt nicht ganz…sie wollen dafür Futter und Streicheleinheiten ….aber das geben wir doch gerne. Ich bin es mittlerweile müde zu kämpfen….ein Kampf David gegen Goliath, den eine kleine Ranch nur verlieren kann. Wie sagte jüngst ein Politiker: „WIR können noch lange durchhalten!“ Falsch! Er vielleicht schon – wir mit Sicherheit nicht! Letztes Jahr durfte ich mir einen Kredit von 15.000 Euro aufnehmen, muss ich das dieses Jahr wieder tun? Und was ist mit den Betrieben, die keine Möglichkeit haben Geld aufnehmen zu können? Die müssen dann ihre Tiere (viele haben ja auch noch mehr als nur Pferde) verkaufen, schlachten lassen oder verschenken?

Bitte bedenkt, dass unsere Tiere nicht nur Arbeitskollegen sind, sondern Familienmitglieder. Wir hängen an jedem einzelnen Tier. Wer also unterstützen möchte, schaut mal in eurer Gegend nach oder fragt mal rum. Und schreit mit uns laut „Öffnet die Reitbetriebe wieder!!!“ Wir können sehr gut die Hygienemaßnahmen einhalten. Wir arbeiten im Freien, mit Abstand (allein schon durch die Pferde) und für die Psyche der Kinder ist der Kontakt so wichtig. Gerade die Kinder haben im letzten Jahr viel zurückstecken müssen. Sie sind unsere Zukunft. Jetzt lernen sie, wie sich Erwachsene in Krisensituationen verhalten und werden selbst, wenn erwachsen, ebenso reagieren. Dann sind wir alt und brauchen vielleicht emphatische Erwachsene, die gut für uns sorgen und entscheiden! Man sieht sich immer zweimal im Leben und es kommt alles zurück, was man gegeben hat.

Redaktion SAZ

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