Test SRAM Rival eTap AXS Oberklasse zum Preis der Mittelklasse

Innovationen machen vor Fahrrädern nicht halt. Schon gar nicht bei Sporträdern. Elektronische Komponenten ziehen in fast allen Preisklassen ein. Aber was hat der gemeine Radler davon?

Um die Frage in der Überschrift kurz und knackig zu beantworten: Präzision, Performance und Komfort. Aber werfen wir zunächst einmal einen Blick auf Rennrad-Schaltungen. Funkschaltungen sind gar nicht so ganz neu auf dem Markt. Gab es schon einmal und manch Hersteller machte einen Rückzug. Das liegt möglicherweise daran, dass herkömmliche Rennrad-Schaltungen am Lenker präzise und zuverlässig funktionieren. Selbst gelegentliche Fahrten auf einen Oldie wie unserem Peugeot PX10 aus 1977 zeigen, dass auch alte Generationen von Unterrohr-Schalthebeln bedienbar sind.

Wer jedoch an Veranstaltungen wie RTF`s oder anderen Rennen teil nimmt, der erkennt sehr schnell, woran es bei Seilzuschaltungen hapert. Das beginnt beim Betätigen des Umwerfers, um das vordere Kettenblatt zu wechseln. Bei den großen Gangsprüngen passt sofort die Trittfrequenz nicht mehr. Drum schaltet man eigentlich immer rechts das Schaltwerk mit und gleicht so die Gangsprünge nach unten oder oben an. Klingt kompliziert? Ist es auch. Wer das erste Mal auf einem Rennrad sitzt hat seine liebe Mühe damit. Gerne leidet auch die Schaltpräzision. Die langen Züge zu Schaltwerk und Umwerfer können innen durch Abrieb verschmutzen, außen durch Staub und Nässe. Dann findet man sich immer öfter beim kurzen Nachtippen an den Schalthebeln, damit die Gänge richtig sitzen.

All das geht irgendwann automatisch und hat uns auch noch nie bewusst gestört. Zumindest bis zu dem Freitag, als uns ein Rennrad mit der SRAM Rival eTap AXS in die Redaktion gebracht wurde. Montiert war unsere Schaltgruppe an einem famosen Orbea Orca Kohlefaser-Renner mit ebenso famosen Zipp 303S Kohlefaser-Felgen und Scheibenbremsen von SRAM

Auch die Bremsanlage entstammt der RIVAL-Gruppe. Foto: Christian Klippel

Probefahrt mit neuen Erkenntnissen

Mit schnell los fahren und ausprobieren war jedoch nicht. Erst mal die AXS Mobile App downloaden und die Schaltung verbinden. Danach ging es an das Einstellen aller Parameter wie Kontrolle, Personalisierung und Messung. Wir haben uns ein Bike-Profil erstellt,  unser  Schaltverhalten angepasst und den Ladezustand der Stromversorgungen geprüft.

Los ging es dann von Schweinfurt am Main entlang in Richtung Volkach. Eine Notwendigkeit zum Umgewöhnung gab es nicht. Wir hatten eine sequentielle Schaltoption gewählt, die auch den Umwerfer automatisch mit betätigt, je nach Situation. Somit schalteten wir links herab und rechts hoch. Fertig. Simpel gell?

SRAM`s Rival eTap AXS schaltet auch den Umwerfer elektrisch. Foto: Christian Klippel

Vom allerersten Pedaltritt an fiel die Einfachheit der Schaltvorgänge auf. Kein Doppelbedienen mehr, kein Nachdenken über nicht angepasste Übersetzungen beim Wechsel des Kettenblattes. Die Rival hat mitgedacht und hielt auch dabei die Änderung der Trittfequenz niedrig. Der AHA-Effekt ergab sich denn auch auf schnellen Strecken wie etwa zwischen Wipfeld und Fahr. Wir konnten uns direkt auf das Tempo konzentrieren, auf die Beinarbeit und die optimale Körperhaltung auf dem Orbea. Die Simplizität der Bedienung und auch die Präzision gefielen. Das änderte sich auch auf den folgenden Kilometern nicht. Die Akkuleistung ließ nicht nach, somit kann man so um die 1000 km sorglos bis zum Nachladen der herausnehmbaren Batterien abspulen. Prima!

Da uns im Dezember und Januar der eine oder andere Regenschauer von oben und Matschfleck von unten ereilte, waren wir gespannt, wie die Rival eTap AXS damit klar kommt. Selbstverständlich sind alle Komponenten sorgfältig gedichtet. Eine Veränderung der Schaltperformance durch die verschmutzte Kette und andere Antriebsteile konnten wir nicht feststellen. Austesten konnten  wir auch kurz die Funktion der Leistungsmessung an der Kurbel.

SRAM Rival DUB AXS Quarq Powermeter Kurbel.

Noch nie war eine Kurbel mit integriertem Leistungsmesser so preiswert! Mit dem Powermeter Upgrade Kit kann man seine Rival DUB Kurbel mit einem Leistungsmesssystem ausrüsten. Die neue Rival AXS Powermeter-Plattform besticht nicht nur durch ihren Preis, sie bietet auch eine besonders cleane Optik am Bike. Möglich macht das die vollständige Integration der Messtechnik in die DUB Kurbelwelle.  Dank der langjährigen Erfahrung der Powermeterspezialisten von Quarq erfolgt die Messung mit sehr hoher Zuverlässigkeit und Genauigkeit. Die Batterielaufzeit von bis zu 400 Stunden sollte für die meisten Biker den Betrieb über eine Saison abdecken. Für den Einsatz bei widrigen Witterungsbedingungen ist die Powermeter-Einheit nach IPX7-Standard wasserdicht. Und das bei einem Mehrgewicht von gerade einmal 40 Gramm.

Unser Fazit: Am besten, die Schaltgruppe selbst „erfahren“. Da ergibt sich eine Kaufentscheidung von ganz alleine!

Christian Klippel

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