Schneckeneck ist an eine syrische Käufergemeinschaft verkauft Das ehemalige Tanzlokal soll künftig zunächst einmal Wohnzwecken dienen

Rothhausen (red). Das Tanzlokal Schneckeneck ist verkauft worden. Dies bestätigte die bisherige Inhaberin Petra Hillenbrand auf Anfrage. Das Schneckeneck war seit den 1950er Jahren ein bekanntes Tanzlokal in Rothhausen das für mehrere Generationen ein beliebter Treffpunkt ihrer Jugend war.

Maria Allenbach hatte in der Straße am Bahnhof zu Beginn der 50er Jahre ein kleines Anwesen gekauft. Dort wollte sie ihren Lebensabend genießen, doch schnell kam ihr die Idee, ein kleines Café zu eröffnen. Es sollte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt entwickeln, in dem dann regelmäßig Live-Bands auftraten. Maria Allenbachs TochterThea und ihr Mann Theo Sauermann stiegen 1966 ins Geschäft mit ein und bauten 1970 eine großen Tanzsaal, der bis zu 1000 Gäste fasste. Mitte der 1980er Jahre hatte die Disco-Welle den Live-Bands den Rang abgelaufen und nach einem Umbau begeisterte dann die Disco Savoy die überwiegend jungen Gäste. 1995 musste das in einem Wohngebiet gelegene Lokal dann erst einmal schließen.

Petra Hillenbrand, einzige Tochter von Thea und Theo Sauermann, widmete sich dem Verkauf von Aloe-Vera-Produkten, eröffnete das Schneckeneck aber 2005 als Melodiecafe erneut. Der einst zweigeschossige Disco-Tempel wurde dafür verkleinert und verlegte sich vorrangig auf gehobene Gastronomie und Privatfeiern. Kabarett und Oldieabende rundeten das neue Angebot ab. Seit 2014 führte Petra Hillenbrands Sohn Florian Hillenbrand das Lokal in 4. Generation als „Mediterrana“. Doch er hatte beruflich andere Pläne und gab das Lokal trotz gutem Zuspruchs noch vor der Corona-Krise wieder auf.

Inzwischen sei sie in einem Alter, in dem andere in Rente gehen, berichtet Petra Hillenbrand, weswegen sie keine weiteren Zukunftspläne mehr schmieden wolle. Ad Acta gelegt hat sie damit auch Überlegungen, das Schneckeneck in eine Seniorenwohneinrichtung umzuwandeln. Hohe behördliche Auflagen und erneute intensive Umbaumaßnahmen hätten auch mögliche Investoren abgeschreckt. Weil auch Sohn und Tochter keine Bindung mehr zum Lokal haben und der große Disco-Palast jede Menge laufende Kosten verursachte, habe sie sich schweren Herzens entschlossen, die Immobilie zu verkaufen. Ein Anwesen, das ihre Eltern geschaffen haben und das ihre Kindheit und Jugend geprägt hat.

Obwohl die Immobilie schon einige Jahre in einschlägigen Online-Maklerportalen zum Verkauf stand, kam der Verkauf nun auch für die einstige Inhaberin überraschend, da es in Corona-Zeiten nicht so einfach sei, ein derart großes Anwesen im ländlichen Bereich zu verkaufen. Über 800 qm ist allein die überbaute Fläche groß. Nebenan liegt noch eine kleine Einliegerwohnung. Im hinteren Bereich schließt sich ein ebenfalls rund 800qm großer Garten an. Das Haupthaus bietet Wohnfläche auf drei Etagen. Allerdings stammen die Infrastruktur und energietechnische Maßnahmen noch aus den 1970er Jahren.

Die neuen Inhaber sind eine aus vier Familien bestehende Käufergemeinschaft, die aus Syrien stammt. Mitte Januar wurden alle notariellen Notwendigkeiten unter Dach und Fach gebracht. Die neuen Eigentümer leben schon seit 2015 in Deutschland. Der Personenkreis im erwerbsfähigen Alter geht Berufen nach, berichtet Petra Hillenbrand und sie seien „sehr nette Leute“.

Mitinhaber Abdul Alezzo und Sprecher der Gemeinschaft gab auf Anfrage an, dass noch keine konkreten Pläne bestehen. Es soll erst ein Abflauen der Corona-Krise abgewartet werden. Zunächst möchte man das Anwesen bewohnen und für die Familienmitglieder entsprechende Räumlichkeiten schaffen. Die Schwester des 30-jährigen und auch ein Bruder sind nach seiner Aussage Architekten und sie werden entsprechende Entwürfe erstellen. Es werden auch mehrere Kinder mit nach Rothhausen kommen und somit auch Kindergarten und Schule zusätzlich beleben.

Petra Hillenbrand ihrerseits wohnt jetzt in Ebertshausen und will künftig wieder Aloe-Vera-Produkte vertreiben.

SAZ-Redakteur

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