SLOSS – Debatte Wie passt das in den Steigerwald?

Beim 4. Naturschutzsymposium in Handthal, ausgerichtet vom AELF Schweinfurt, Bereich Forsten und dem Forstbetrieb Ebrach, Bayerische Staatsforsten folgte auch Lenore Fahrig der Einladung von Ulrich Mergner und Stephan Thierfelder und erläuterte ihre neuesten Forschungsergebnisse.

Lenore Fahrig ist Biologin und Professorin und Rektorin der Carleton University in Ottawa, Kanada. Ihr Forschungsgebiet sind die Auswirkungen der Landschaftsstruktur auf die Biodiversität wie auch Vorkommen, Verteilung und Überlebensrate bestimmter Wildarten.
In ihrem Vortrag, live aus Kanada online gestreamt, präsentierte Frau Fahrig ihre Ergebnisse zur SLOSS-Debatte. Exkurs: Eine der heftigsten Kontroversen in der Geschichte des Naturschutzes ist die SLOSS-Debatte. SLOSS steht für „Single Large or Several Small“. Dies sind zwei unterschiedliche Ansätze, um die biologische Vielfalt in einer bestimmten Region zu schützen. Der „single large“-Ansatz sieht ein großes zusammenhängendes Reservat vor. Der Ansatz „several small“ begünstigt viele kleinere Landreserven, deren Gesamtfläche der des großen Reservats entspricht.
1975 stellte der amerikanischer Wissenschaftler Jared Diamond die These auf, dass ein einziges großes Landreservat hinsichtlich Artenreichtum und Artenvielfalt vorteilhafter sei als mehrere kleinere Reservate. (SL > SS). Seine Behauptung basierte auf seinem Studium des Buches „Die Theorie der Inselbiogeographie“ von Robert MacArthur und E.O. Wilson. Daran orientieren sich seither die Naturschutzverbände.
Erstmals trug nun die kanadische Wissenschaftlerin in einer umfangreichen Literaturrecherche zahlreiche Ergebnisse zusammen. Studien aus aller Welt untersuchten verschiedene Lebensraumtypen, -größen mit ihren jeweiligen Artenvorkommen. Die Untersuchungen bezogen sich teils auf eine Art, manchmal auch auf Artengruppen.
Das Ergebnis ist extrem spannend. Leonore Fahrig belegt eindrucksvoll, dass viele kleine ökologische Flächen für die Artenvielfalt besser sind als wenige große. Damit widerlegt sie die bisherigen Annahmen und kritisiert die einseitige Ausrichtung der Schutzbemühungen auf Großflächen.
Der integrative Ansatz „Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche“, der seit gut 15 Jahren im Forstbetrieb Ebrach praktiziert wird und inzwischen auch in anderen Forstbetrieben weit über die Grenzen Bayerns Anerkennung findet, ermöglicht eine große Artenvielfalt. Durch das große Netz an „Trittsteinen“ kann über Wuchsgebietsgrenzen hinweg ein deutlich anpassungsfähigeres Fortbestehen vieler Arten gewährleistet werden. So können alle Waldfunktionen ihre berechtigte Rolle auf ganzer Fläche wahrnehmen.
Aufgrund dieser Basis empfiehlt Lenore Fahrig weiterhin mit wissenschaftlichen Untersuchungen das Ergebnis SL und SS gezielt zu untermauern. Neue Impulse für Forschungsarbeiten auch in den Wäldern des FB Ebrach sind gegeben.

Redaktion SAZ

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