Theilheim Judendenkmal Theilheim setzt ein Mahnmal für seine ehemaligen jüdischen Mitbürger!

Theilheim (Fr): Theilheim setzte am Freitag, den 23.09., genau 80 Jahre nach dem Abtransport der letzten Juden mit einem Kinderwagen aus Stein ein sichtbares Mahnmal gegen das Vergessen des Judentums in Theilheim.
Alle anwesenden Ehrengäste, insbesondere Staatsminister a. D. Dr. Ludwig Spaenle MdL, der eigens aus München angereist war, begrüßten diese Maßnahme. Ein Kinderwagen wurde als Zeichen des Gedenkens gewählt, da auf einem Bild dieser Deportation eine jüdische Mitbürgerin, die mit ihrer
kleinen Tochter Hanna auf den Weitertransport wartete, zu sehen ist. Eine Kopie dieses Kinderwagens findet sich am Bahnhof in Würzburg. Die Intention dieses Motives ist auch darauf aufmerksam zu machen, dass kleine Säuglinge und Kinder auf das brutalste verfolgt und letztlich
auch ermordet wurden.
Konrad Roth und Bürgermeister Christian Zeißner haben den Kinderwagen als Mahnmal vorgeschlagen und der Gemeinderat stimmte geschlossen zu. Als Standort für den Kinderwagen wurde der Platz neben dem Kriegerdenkmal ausgewählt. Dieses Denkmal wurde von den Christen und den Juden gemeinsam errichtet und erinnert an die Kriegsteilnehmer aus dem Krieg von 1870.
Konrad Roth informierte über das Leben der Juden in Theilheim. Vieles über die damalige jüdische Bevölkerung ist im Staatsarchiv in Würzburg nachzulesen. Die erste Erwähnung von Juden in Theilheim stammt aus dem Jahr 1490. Die erste Synagoge wurde 1732 gebaut. Ein Neubau erfolgte 1850. Zu dieser Zeit wohnten 240 Christen und 215 Juden als Nachbarn friedlich nebeneinander im Ort. 1815 hatte sich die Situation für die Juden verbessert: Sie durften von da an Ackerland kaufen und einen Beruf ausüben. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt der Rückgang der jüdischen Bevölkerung im Ort. Viele Juden wanderten damals nach Amerika aus. 1939 registrierte die Polizei noch 47 jüdische Einwohner im Ort. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann das Ende der jüdischen Gemeinde in Theilheim. Dies zeigte sich besonders in den Morgenstunden der Reichskristallnacht am 10. November 1938 als Hitlers Schlägertruppe, die SA, die Synagoge in Brand steckte. Diese auswärtigen SA-Leute drangen anschließend in die jüdischen Wohnungen ein, plünderten sie und zerschlugen viele Möbel. Am 22. April 1942 wurden 31 jüdische Mitbürger nach Würzburg gebracht und dann mit
weiteren 852 Juden mit dem Zug ins Konzentrationslager transportiert. Unter ihnen war Rosa Klein aus Theilheim mit ihrer 15 Monate alten Tochter. Am 23. September 1942 wurden die letzten 9 Theilheimer Juden nach Würzburg und dann im Sammeltransport mit dem Zug in den Raum Lublin
bzw. Theresienstadt gebracht. Da nach dem Krieg kein Lebenszeichen von den Deportierten nach Theilheim gelangt ist, muss man annehmen, dass alle ums Leben kamen.
So endete auf schreckliche Weise die fast 500 Jahre lange Geschichte der Juden in Theilheim.

SAZ-Redaktion3

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