Trickbetrüger festgenommen – Tatverdächtige in Untersuchungshaft Polizei Unterfranken warnt vor Betrugsmasche

Lkr. Schweinfurt. Am Montagmittag übergab eine Rentnerin einem sogenannten Enkeltrickbetrüger 22.000 Euro Bargeld. Beamte der Polizeiinspektion Haßfurt stellten wenig später den Mann und seine Komplizin im Rahmen der Fahndung und konnten die Tatbeute sicherstellen. Am Folgetag wurden die mutmaßlichen Trickdiebe auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Schweinfurt dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehle erließ. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Trickbetrüger unterwegs

Wie das Polizeipräsidium Unterfranken bereits am Montag in einer Warnmeldung verlautbaren ließ, kam es im Laufe des Tages zu zahlreichen Anrufen von sogenannten Trickbetrügern im Regierungsbezirk. Falsche Polizeibeamte, falsche Ärzte und Betrüger mit anderen gängigen Maschen versuchten Angerufenen Bargeld und Schmuck zu entlocken.

Sogenannter Enkeltrick funktioniert

Bereits gegen 10:30 Uhr bekam ein 80-Jähriger aus dem Landkreis Schweinfurt einen Anruf von einem vorerst Unbekannten, der sich als Enkel des Rentners ausgab. Dieser überzeugte den älteren Herren in mehreren Anrufen davon, dass sein Enkel einen Unfall hatte und nun dringend 22.000 Euro Bargeld benötigen würde. Ein weiterer Anruf im Anschluss von einem falschen Polizeibeamten, der die erfundene Geschichte bestätigte, festigte die Täuschung des Seniors, der daraufhin die Ersparnisse von seinen Sparbüchern abhob. Am Mittag wollte dann eine bis dahin unbekannte Frau das Bargeld von dem Rentner abholen.

Senior wird misstrauisch

Als der 80-Jährige gegen 13:30 Uhr die Haustüre öffnete und sich einer jungen Frau mit augenscheinlich ausländischer Herkunft gegenübersah, regten sich in ihm Zweifel an der Geschichte. Anstatt seine Ersparnisse zu übergeben, schickte er die unbekannte Frau weg und verfolgte diese dann zudem noch zu Fuß bis zum Parkplatz eines Einkaufsmarktes in der Nähe.

Ehefrau übergibt Bargeld

Während der Rentner die ihm unbekannte junge Frau verfolgte, begab sich allerdings ein weiterer, vorerst unbekannter Mann zur Wohnadresse des Rentners und klingelte. Der Mann brachte die 76-Jährige Ehefrau des Rentners dazu, ihm das von der Bank abgeholte Bargeld zu übergeben. Daraufhin stieg der Unbekannte in ein Fahrzeug, fuhr zum Parkplatz des Einkaufsmarktes und holte dort seine Komplizin ab. Der 80-Jährige, der zwischenzeitlich von seiner Ehefrau über die Geldübergabe informiert wurde, zögerte nicht länger und rief die Polizei.

Erfolgreiche Fahndung

Zahlreiche Streifen der Polizeiinspektion Schweinfurt und angrenzender Polizeiinspektionen leiteten sofort eine großangelegte Fahndung nach dem Betrüger-Pärchen ein. Beamten der Polizeiinspekion Haßfurt gelang es wenig später mit Unterstützungskräften der oberfränkischen Polizei, das gesuchte Fahrzeug auf der Autobahn A70 aufzunehmen und an der Anschlussstelle Viereth-Trunstadt zu stoppen. Die Insassen, ein 24-jähriger Mann aus Polen und eine 19-jährige Frau, wurden vorläufig festgenommen. Bei der Durchsuchung der Personen entdecken die Beamten das zuvor durch die Seniorin übergebene Bargeld.

Untersuchungshaft angeordnet

Am Dienstag wurden die Festgenommenen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Schweinfurt dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Untersuchungshaftbefehle wegen Betruges erließ. Die Beschuldigten wurden Justizvollzugsanstalten überstellt. Die Kriminalpolizei Würzburg, die zentral für die Sachbearbeitung derartiger Fälle in Unterfranken zuständig ist, übernahm die weiteren Ermittlungen.

Leg‘ auf! Die Präventionskampagne des Polizeipräsidiums Unterfanken

Aufgrund der weiterhin hohen Fallzahlen im Bereich Callcenterbetrug und dem damit verbundenen finanziellen Schaden, aber auch den psychischen Folgen für die Betroffenen, hat sich das Polizeipräsidium Unterfranken dazu entschieden, zum Schutz der Opfer auch im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit nochmals aktiv zu werden und die Präventionskampagne “Leg´auf!” gestartet.
Das Ziel dieser Kampagne ist es, insbesondere ältere Menschen und deren Angehörigen über die Phänomene wie „Enkeltrickbetrug“ und „Falsche Polizeibeamte“ zu informieren, zu sensibilisieren und Verhaltenstipps zu geben. Die wichtigsten Botschaften sind:

Legen Sie auf. Wählen Sie selbst die Notrufnummer 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.

– Die Polizei weist Sie niemals an, Geld oder Schmuck zu Hause zur Abholung bereit zu legen oder als Lockmittel zu deponieren!

– Übergeben Sie keine Geldbeträge an Fremde! Auch die Polizei holt bei Ihnen an der Haustüre keine Wertsachen ab, um sie in Verwahrung zu nehmen!

– Die Täter können mittels Call ID-Spoofing jede von ihnen gewünschte Rufnummer auf dem Telefondisplay anzeigen lassen – bei der echten Polizei erscheint niemals die 110 (auch nicht mit Vorwahl)!

– Sprechen Sie mit ihren Freunden, Nachbarn und Verwandten über das Phänomen!

Redaktion SAZ

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